1912: Im Vatikan sitzt Papst Pius X. auf dem heiligen Stuhl, Wilhelm II. ist Deutscher Kaiser und König von Preußen – und am 21. Juli lässt Bauunternehmer Josef Henkel den Grundstein des Elsper Krankenhauses in das nasse Betonfundament setzen.
Der Plan, in dem Ort ein Krankenhaus zu bauen, war nicht neu.
Bereits am 20. September 1857, laut Chronik Brill, kamen mit Pfarrer Hengstebeck noch einige aus dem Kirchspiel zusammen, um über die Notwendigkeit eines in Elspe zu bauenden Krankenhauses für die katholische Kirchengemeinde zu beraten. Es wurde ein vorläufiger Vorstand gewählt mit Kaufmann Hugo Schneider aus Elspe als Rendanten. Dann trat wieder Stille ein, ein Schweigen ruhte für Jahrzehnte darüber. Unterdessen ließen sich aber 1896 die Schwestern der Armen Franziskanerinnen aus Olpe zur ambulanten Krankenpflege in Elspe nieder. Im Jahr 1910 begannen dann neue Verhandlungen um den Bau eines Krankenhauses. In den Jahren 1912 bis 1913 wurde das schöne Krankenhaus schließlich errichtet. Von der Einweihung selbst am 8. September 1913 schildert die Chronik „Schönes Altes Elspe“: „Vom tiefblauen Himmel sandte die glänzende Sonne ihre Strahlen herab. Aus den Kehlen der Schulkinder klang silberhell ein der Weihe entsprechendes Lied. Die Elsper Kapelle ließ ihre Weisen erschallen, bis der Kreisbaumeister Rinscheid das Wort ergriff...“
Von 1913 bis 1970 gab das Haus ungezählten Menschen Heilung; Hunderte von Lennestädtern wurden hier geboren.
Die damalige Landesregierung stellte Ende der 60er-Jahre die Existenz kleinerer Krankenhäuser allerdings in Frage. Gegen den Willen der Bevölkerung und der verantwortlichen Kreise fasste dann der Kirchenvorstand – auch wegen der Verschuldung des Hauses von über einer halben Million D-Mark – schweren Herzens den Entschluss zur Auflösung des Krankenhauses ab Ende Dezember 1970 und zur Umwandlung in ein Altenheim. Ein Erweiterungsbau konnte im Mai 1976 bezogen werden; dieser Bau und die Renovierung des Altbaus wurden damals auf stolze 5,3 Millionen D-Mark beziffert.
Bis 2005 wurde das Altenheim betrieben, seitdem steht das Haus leer.
106 Jahre nach der Grundsteinlegung hat Steinmetz Raimund Schulte am vergangenen Dienstag mit seinen zwei Mitarbeitern Sven Reuber und Mike Brockhaus den Grundstein freigelegt. Josef Heinrichs und Karl-Hubert Hümmeler – zwei rüstige Elsper, die sich seit Jahr und Tag nicht nur für die Sauberkeit im Ort einsetzen, sondern auch zur Stelle sind, wenn es gilt Historisches zu bewahren oder gar zu sichern – hatten dem laufenden Abriss des Hauses durch den neuen Eigentümer lange genug zugesehen. Nach Absprache mit dem neuen Besitzer Temil Atak aus Altenhundem sicherten sie sich mithilfe des Dachdeckerbetriebes Prein das geschmiedete, über zwei Meter große Kreuz und die bronzene Glocke.
Nun also auch den Grundstein – obwohl, nachdem Raimund Schulte mit der Freilegung begann, konnte man nicht wirklich nur von einem Stein sprechen: Es ist ein Trumm von einem Gesteinsquader – Schulte zückt den Zollstock, misst und rechnet – der gute 370 Kilo auf die Waage bringt. Abzüglich des Hohlraumes im Inneren, wo in einer kleinen Zinkwanne die Zeitzeugnisse wie Tageszeitung vom 17. Juli 1912 und weitere Dokumente lagern. Als eigentliche Zeitkapsel diente ein einfaches Weckglas mit Münzen der damaligen Zeit und einem in Sütterlin verfassten Schreiben, auf dem nicht nur oben genannter Papst und Kaiser erwähnt, sondern auch die bei der Grundsteinlegung Anwesenden und Geldgeber aufgezählt wurden.
Bis der Wackermann auf dem Laster von Raimund Schulte verstaut war, waren aus dem „mal eben in der Mittagspause“ anderthalb schweißtreibende Stunden geworden. Der Grundstein mit der Jahreszahl 1912 liegt nun auf dem Betriebsgelände des Steinmetz, die Dokumente gingen mittlerweile dem Lennestädter Stadtarchiv zu.
Was mit Stein, Glocke und Kreuz geschehen soll, darüber müssen sich die Elsper erst noch Gedanken machen. „Denkbar wäre“, so Josef Heinrichs, „eventuell ein Ensemble in der Nähe des Altenheimes“, vergleichbar mit der „Grevenbrücker Schweineglocke“.
Was aber geschieht mit dem alten Krankenhaus? Seit der Zwangsversteigerung am 24. Mai 2017 ist Temil Atak aus Altenhundem, Geschäftsführer der „ATAK UG“, Inhaber.
„Mehrgenerationen-Haus“ soll entstehen
„Das alte Haus wird definitiv abgerissen“, sagt der Geschäftsmann im Gespräch mit dem Sauerlandkurier. Hier soll eine „altersgerechte Wohnananlage für jedermann“ entstehen. Der Erweiterungsbau soll noch in diesem Jahr umfassend renoviert werden – hier soll eine Art „Mehrgenerationen-Haus“ eingerichtet werden – mit mehreren behindertengerechten Wohnungen, die auch von Familien mit Kindern bewohnt werden können. „Ich ziehe selbst dort ein“, gesteht Temil Atak, der gute Gespräche im Vorfeld mit der Stadt Lennestadt aber auch der Caritas geführt habe.
„Eigentlich“, so Josef Heinrichs, „hätte der neue Inhaber das geschmiedete Kreuz selbst gerne behalten. Aber als er von unserem Anliegen erfuhr, hat er es uns gerne überlassen.“DSC 0404kl